Die Erweiterungsstunde des Gymnasiums der Schulen der Brede

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Die Erweiterungsstunde als Förder- und Forderkonzept am Gymnasium Brede

Die Erweiterungsstunde ersetzt den regulären Förderunterricht und bündelt viele unterschiedliche Zusatzmodule aus den Fachbereichen. In den regulären Stundenplan der Jahrgangsstufen 6 bis EF integriert, können die Schülerinnen und Schüler aus einem breiten Angebot pro Schuljahr 4 verschiedene Quartalskurse in jeder Jahrgangsstufe anwählen, an denen sie dann immer dienstags in der ersten Stunde teilnehmen. Im MINT-Bereich zählen dazu Förderangebote, die dann z.B. dem Mathematikunterricht der jeweiligen Klasse angepasst sind, wie auch Teilnahmemöglichkeiten an Wettbewerben oder vorbereitende Vertiefungskurse für den naturwissenschaftlichen Oberstufenunterricht.

Das Konzept der Erweiterungsstunde an den Schulen der Brede

Die Überlegungen bei der Einführung der Erweiterungsstunde waren sehr unterschiedlich: Eine Umgestaltung des bis dahin eher negativ besetzten Förderunterrichts zu erreichen, gleichzeitig die Verantwortung für den eigenen Lernerfolg stärker beim Schüler zu belassen und ihn das Lernen selbst mitgestalten und steuern zu lassen, das waren sicherlich die Hauptgründe zur der Planung. Gleichzeitig sollten einige der vielen unterschiedlichen Forderangebote der Brede, die bis dato in Ermangelung von Alternativen häufig in den Mittagspausen stattfanden, mehr Platz im regulären Schulalltag und eine stärkere Präsenz im Schulleben bekommen

Mit der Einführung der Erweiterungsstunde sind diese Module nun an attraktiver Stelle (dienstags in der ersten Stunde) in den regulären Stundenplan der Schüler in den Jahrgangsstufen 6 bis EF integriert und so können die Schülerinnen und Schüler selbst nach Rücksprache mit Eltern und Klassenlehrern ihre Wünsche und Bedarfe für diese Stunde äußern. Quartalsweise können Kurse jahrgangsstufengerecht aus unterschiedlichen Fächern und Bereichen sowohl in den Kategorien „Üben und wiederholen“ (Fördermodule Ü), „Ausprobieren und entdecken“ (Interessensmodule) als auch in der Kategorie „Vertiefen und genauer hinsehen“ (Fordermodule V) angewählt werden. Die Module in der Kategorie „Üben und wiederholen“ sollen direkten Bezug zum Fachunterricht der jeweiligen Jahrgangsstufe aufweisen und zielgerichtet, individuell und in einem überschaubaren Umfang den einzelnen Lernenden in seinem Entwicklungsprozess unterstützen. Je nach Kursgröße wird die Lehrkraft von einem Schülerhelfer der Jahrgangsstufe Q2 unterstützt, um individuelle Fragen und Hilfestellung zu ermöglichen, bei erhöhtem Förderbedarf kann zusätzlich durch Einzelnachhilfe (Schüler helfen Schülern) ergänzt werden.

Das Lernen in den vergleichsweise kleinen und homogenen Gruppen soll zum einen die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung ihrer persönlichen Stärken unterstützen und zum anderen den klassischen Fächerkanon ergänzen und ausweiten. Es ist mittlerweile ein breites Repertoire von Angeboten entstanden, welches den Schülerinnen und Schülern individuelles Lernen ermöglicht. Über Wettbewerbstraining für helle Köpfe, Sportangebote zum Ausprobieren wie Hip Hop oder Le Parkour bis hin zum Lückenschließen in den Kernfächern reicht die Angebotspalette. Die Module der Erweiterungsstunde werden in erster Linie von engagierten Kollegen der Brede gestaltet, können aber von externen Lehrkräften mit spezifischen Schwerpunkten, z.B. Yoga oder Russisch, sowie von Oberstufenschülern ergänzt werden. Insbesondere in den Kategorien „Ausprobieren und entdecken“ und „Vertiefen und genauer hinsehen“ entsteht so eine Vielfalt von Angeboten im Schulalltag, die im regulären Unterricht kaum zu gewährleisten wäre. Die Schüler finden die einzelnen Module übersichtlich strukturiert in farblich markierten Bereichen, denen sie jeweils thematisch zugeordnet sind. Dabei werden unterschieden: Deutsch, MINT, Fremdsprachen, Bili & Europa, Kultur & Bewegung wie auch Medien & Textverarbeitung.

Zum Wahlverfahren: Im Vorfeld tauschen sich die Schüler untereinander, aber z.B. auch mit ihren Eltern über ihre Stärken und Schwächen aus und versuchen, eine sinnvolle Vorauswahl der Module unter Berücksichtigung ihres Förderbedarfs wie auch ihrer Neigungen zu treffen; dies dokumentieren sie auf einem Wahlbogen. Anschließend werden diese Vorauswahlen durch das Klassenlehrerteam gesichtet und es finden – wenn sinnvoll oder nötig – ergänzende Beratungsgespräche statt. Die endgültige Wahl erfolgt dann vom Schüler gemeinsam mit einem Klassenlehrer am PC in der Schule. Es werden immer Erst- und Zweitwünsche formuliert, Excel-Tabellen für jede Jahrgangsstufe erleichtern die Auswahl und das Eintragen der Wünsche sowie die spätere Auswertung.

Genauere Informationen zu den MINT-Modulen der Erweiterungsstunde:

Im Bereich Mathematik soll die Erweiterungsstunde zur Förderung bei Schwächen/Lücken genutzt werden können (Kategorie Ü) – gleichzeitig finden mathematisch sehr interessierte Schülerinnen und Schüler auch Angebote, um ihre Fähigkeiten zu vertiefen (Module der Kategorie V). Während in der Informatik Grundwissen zur Textverarbeitung vermittelt und geübt wird, bieten Technikmodule handwerkliches Arbeiten an.

In den Naturwissenschaften überwiegen die Forderangebote (V): So finden beispielsweise die Vorbereitungen auf MINT-Wettbewerbe in begleiteter Form im Rahmen der Erweiterungsstunde statt. Die Angebote mit wechselnden Schwerpunktthemen werden dadurch vielen Schülerinnen und Schülern in jedem Schuljahr wieder zugänglich gemacht – durch die Anwahl der einzelnen Quartals-Module können sie sich regelmäßig für die Teilnahme an naturwissenschaftlichen Entdecker- oder Forderkursen sowie Wettbewerben entscheiden. Sie arbeiten dabei in jahrgangsstufenübergreifenden Gruppen, unterstützen sich gegenseitig und haben nun anders als zuvor in dieser Stunde Zeit für die Erstellung guter Beiträge – ganz egal, ob es sich dabei z.B. um das Anfertigen guter mikroskopischer Präparate oder um das Protokollieren von Experimenten handelt, die für die verschiedenen Wettbewerbe durchgeführt werden. Aufbauend auf den so geübten Strukturen haben besonders interessierte Schülerinnen und Schüler später dann die Möglichkeit, zusätzlich weitere Themen zum Beispiel zu Drehtürarbeiten oder Jugend forscht-Projekten in der MINT AG auszubauen. Durch die Kooperation innerhalb der Gruppen und den Rahmen, der dafür durch die Erweiterungsstunde im Schulalltag geschaffen wurde, ist von den betreuenden Kolleginnen und Kollegen eine deutliche Steigerung der Qualität der Erarbeitungen zu beobachten, die bei „zusätzlichen“ Bearbeitungen nur selten erreicht werden kann.

Das Arbeiten in jahrgangsstufenübergreifenden Gruppen sorgt dafür, dass sich die naturwissenschaftlichen interessierten Schüler auch über Klasse hinaus kennenlernen und so entwickelt sich häufig eine besondere Dynamik in diesen Gruppen – eine Förderung der besonders begabten Schülerinnen und Schüler ist in diesem Rahmen viel leichter möglich als im Klassenverband.

Best Practices aus dem MINT-EC-Netzwerk